[Rezension] I am cringe, but I am free | Coming of Age

von Verena Bogner
Einzelband
erschienen 2026 bei park x ullstein
Einen herzlichen Dank an Netgalley und den Verlag für das Rezensionsexemplar.

Wann wurde eigentlich das Handbuch fürs „Coolsein“ ausgegeben? Und warum habe ich keines?

Diese Frage beschäftigt unsere Erzählerin bereits als Pre-Teen, als ihre beste Freundin sich plötzlich für Jungs, Strings und Alkohol interessiert – und unsere Erzählerin ins Abseits der „Uncoolen“ verbannt.

Die Tatsache, dass unsere Ich-Erzählerin keinen (zumindest uns bekannten) Namen hat fand ich zunächst gewöhnungsbedürftig; empfinde es im Nachhinein aber als clevere Idee. Die Identifikation mit der Erzählerin fiel so deutlich leichter und das Erlebte wurde viel mehr mit den eigenen Erfahrungen abgeglichen.

Die Geschichte in „I am cringe, but I am free“ erstreckt sich von den Pre-Teen Jahren unserer Erzählerin bis in ihre späten Zwanziger. Dadurch hatte ich irgendwann das Gefühl sie richtig zu kennen, fast schon wie eine Freundin. Wir begleiten sie durch Höhen und Tiefen: die erste Teenie-Party, auf der sie sich völlig fehl am Platz fühlt, das Bewerbungsgespräch in einer Agentur, für das sie sich viel zu uncool fühlt, den ersten richtigen Freund, dem sie zunächst dankbar ist, Teil seiner Welt sein zu dürfen. Buh, Fabian.

Durch all diese Phasen begleitet unsere Erzählerin vor allem eines: Scham, Selbstzweifel und Cringe. Cringe würde ich am ehesten als dieses Gefühl beschreiben, das man hat wenn das Hirn auf einmal sagt: „Weißt du noch diese eine peinliche Sache, die du vor ein paar Jahren gemacht hast?“ All diese Gefühle fand ich sehr nachvollziehbar. Ebenso die Frage, die sie sich immer zu stellen schien: „Wann sind die anderen eigentlich cool geworden und ich nicht?“

Es war erfrischend zu beobachten, wie unsere Erzählerin es, gestärkt durch echte Freundschaft und auch Selbstreflektion (und Therapie!), immer weiter schafft zu ihrer eigenen „Uncoolness“ zu stehen. Sei es, indem sie sich nicht mehr dafür schämt, dass die No Angels ihre Lieblingsband sind oder indem sie endlich den Typen abschießt, der ihr permanent das Gefühl gibt unzureichend zu sein.

Der Plot selbst befasst sich hauptsächlich mit der Entwicklung unserer Erzählerin. Daher ist die Geschichte eher ruhig und sehr personenzentriert, was ich als sehr angenehm empfand. Im letzten Drittel jedoch haben sich dann doch ein paar Längen eingeschlichen.

Verena Bogner versteht es verschiedenste Themen differenziert, bildhaft und relatable im Kontext der Millenial-Jugend zu bearbeiten. Dabei schafft sie es ihrer Geschichte genügend Tiefgang zu geben ohne zu oberflächlich zu bleiben, und die Stimmung trotzdem leicht und humorvoll zu halten. Das fand ich zur Abwechslung sehr schön; nicht alle Themen müssen bis ins Kleinste seziert werden, nicht jedes Buch muss seine Lesenden komplett fertig machen. Manchmal darf und soll ein Buch auch einfach nur ein Trip in die eigene Kindheit und Jugend sein, humorvoll aufrütteln und vor allem vermitteln: Du bist gut, so wie du bist!

TL;DR

Leichter und humorvoller Coming of Age-Trip in die Jugend von Millennials.

Bewertung

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