[Rezension] FUCKGIRL | Über Female Revenge

von Bianca Jankovska
Einzelband
erschienen 2026 im Haymon Verlag

Der Inbegriff von „no fucks given“

Die Grundidee von „Fuckgirl“ hat mir sehr gefallen: Eine Protagonistin, der „no fucks given“ quasi auf die Stirn geschrieben steht und die tut, wie es ihr beliebt. Gänzlich frei von Scham.

Der Schreibstil der Autorin ist betont locker, was mir positiv aufgefallen ist. Er lässt sich entspannt weglesen, allerdings waren es mir teilweise zu viele Anglizismen. Sprachlich gehören sie zu meinem persönlichen Alltag auch dazu, keine Frage, aber konkret in diesem Buch hat es mich gestört. Ein Beispiel: „Da war dieses Feeling in meinem Bauch, das ich so lange gecraved hatte.“ (S. 44) Was ich jedoch sehr mochte war das Ersetzen von Vornamen durch Bezeichnungen. So heißt die Protagonistin Fuckgirl, ihr Ehemann Mann und einer ihrer Expartner z.B. Loser.

Mit der Lebensrealität von Fuckgirl konnte ich häufig wenig anfangen, wodurch ich keinen richtigen Zugang zu ihr finden konnte. An vielen Stellen habe ich ihre Meinung geteilt und ihre Härte gefeiert, aber vor allem bei alternativen Lebensentwürfen, war mir ihr Urteil häufig zu hart. Zum Beispiel die Szene, in der Fuckgirl zum Brunch eingeladen wird und gedanklich dann über die Mütter dort herzieht.

Mir hat übergeordnet der Raum für Diskurs gefehlt, sowie das kritische Beleuchten von mehreren Seiten. Auch die Herleitung von Haltung und das Teilhaben an Gedankenprozessen. Häufig habe ich schon verstanden, was die Autorin sagen möchte und wo sie hin will. Aber häufig hat Fuckgirl nur in Ergebnissen gedacht, wodurch die Geschichte wenig Spannung und Reibung aufgebaut hat.

Ich bin ein bisschen zwiegespalten. Ich halte das Beleuchten der Pespektiven, die „Fuckgirl“ aufgreift für extrem wichtig. Wie schon bei meiner Rezension zu „Half his Age“ denke ich, dass wir mehr Bücher dieser Art dringend brauchen. Aber konkret diese Geschichte konnte mich nicht recht überzeugen.

TL;DR

Tolle Grundidee mit knallharter Ausführung, die mich durch wenig Raum für Diskurs und fehlende Ambivalenz aber nicht durchgehend überzeugen konnte.

Bewertung

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